Hallo zusammen,
nachdem, eigentlich wie immer bei einem Oelfred, das Thema nur noch emotional statt sachlich mit Fakten abgehandelt wird, versuche ich für den interessierten Leser mal einige zu liefern. Vorab, ich habe nicht Tribologie / Maschinenbau studiert, weshalb meine Schlussfolgerungen mit Voricht zu genießen sind. Teilweise habe ich auch Quellen im Internet in Form von Datenblättern, meistens bei der Additiv herstellenden Spezialchemie gefunden. Soviel zum Vorwort.
In den vorhergehenden Beiträgen wurde lang und breit über das Viskositätsverhalten verschiederner Öle diskutiert. Auch wenn bestimmte Konstruktionsmerkmale, wie Toleranzen an Lagern, Hydrostößeln, Zylinder, usw., die Viskosität eines Öles vorgibt, so kann
ich mir nicht vorstellen, dass der Unterschied zwischen 19qmm/s und vielleicht 21qmm/s bei 100°C Öltemperatur den Riesenunterschied macht. Bestärkt werde ich in dieser Meinung dadurch, dass mein Ventieltrieb am lautesten tickert, wenn das Öl irgendwo zwischen 50° und 80° liegt, also in einem Bereich wo die dynamische Viskosität garantiert oberhalb der 20 qmm/s liegt. Nichtsdestotrotz werde ich beim nächsten Wechsel mal ein 10W-60 probieren. Ich denke außerdem, dass sich hier alle einig sind, dass ein gutes Öl im wesentlichen von der Additivierung und von der Qualität des Grundöles abhängt und nicht von der Viskosität. Und speziell davon habe ich hier noch nichts, beziehungsweise wenig belastbares gelesen. Und damit sind wir beim Thema:
Meine Maschine: HD FXDWG 2010, verwendete Ölsorte Shell Advance Ultra 4 15W-50, Ölzustand siehe Analyse unten. Vorweg: Das Öl
scheint dem Motor schon mal nicht zu schaden. Das entscheidente Merkmal ist der PQ Index. Dieser beschreibt als dimensionsloser Wert die im Öl befindlichen magnetisierbaren Partikel, sprich Späne. Unter 25 steht dort o.K. Bei meinem VW Multivan z.B. stand dort der Wert 504, weshalb ich den Motor auf mein Risiko öffnen ließ, und anschließend auf Garantie eine neue Nockenwelle und Stößel bekommen habe, da diese total eingelaufen waren. Grund war ein Wartungsfehler einer Vertragswerkstatt. Es wurde ein ÖL nach LL3 mit erheblich reduziertem Zink-, Phosphat-und Schwefelgehalt eingefüllt, welches für meinen Motor nicht zugelassen war. Drum merke: auf keinen Fall "hochmoderne Öle" mit reduziertem Anteil metallorganischer Additive einfüllen (spez. SM).
Aber wie gesagt in unten angehangener Analyse ist alles im grünen Bereich.
Trotzdem möchte ich auf einige Punkte eingehen. Zunächst ist anzumerken, dass die Viskosität bei 100° bereits nach 4000km auf 16,2 zurückgegangen ist. Das könnte mit der Kraftstoffverunreinigung im Öl von 0,73% zusammenhängen, keine Ahnung. Ich hätte nicht gedacht, dass das ÖL so schnell nachlässt. Ich nutze den TTS Mastertune, und anscheinend läuft meine Kiste etwas fett.
Die verschleißwerte sind wie gesagt völlig in Ordnung, der Kupferwert ist allerdings etwas aus dem Rahmen.
Zu den Additiven: Der ZDDP Gehalt scheint bei diesem Öl etwas gering zu sein. Er liegt auf dem Niveau z.B. des Mobil 1 Auto-Öles (nicht Aschearm) 5W-5 Peak Life. Das Mobil 1 V-Twin z.B. liegt hier 60% drüber und scheint damit die größeren Sicherheitsreserven zu haben. Wobei wie gesagt keine negativen Effekte aufgetreten sind. Das ZDDP ist ein typisches AW (anti wear) Additiv und verhindert im Mischreibungsbereich den direkten Metall auf Metall Kontakt.
Sollte dies doch passieren, so treten die EP Additive in Aktion. Dies sind z.B organische Schwefelverbindungen oder auch Calciumsulfonat, welches außerdem als Detergents wirkt (für die Motorsauberkeit) und für die TBN (basische Reserve für die Neutralisiation saurer Verbrennungsrückstände) verantwortlich ist. Scheint reichlich vorhanden zu sein, was auf die Notwendigkeit der gemeinsamen Schmierung des Getriebes bei "normalen" Motorradmotoren zurückzuführen sein dürfte. All diese Komponenten müssen sauber abgestimmt sein, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Es ist also abzuraten, mit irgendwelchen Zauberzusätzen zu experementieren, da man damit die Gesamtwirkung des Öles beeinflussen kann.
Mein Fazit zu Shell Advance Ultra 4:
1.) Motor hat keinen auffälligen Verschleiß: gut
2.) Viskosität nach 4000 km um ca. 16% gesunken: nicht gut
3.) ZDDP gehalt scheint niedriger als bei anderen Motorradölen zu sein, aber reicht offenbar: neutral
4.) Werde das nächste Mal MEGOL 10W-60 probieren
Gruß Hendrik
P.S.

ie Ölprobe kostet ca. 50€ bei der Fa. Oelcheck (einfachste Analyse)