Zitat von Waschtelhuber
Wie kommt ihr drauf das die Pumpe im Rücklauf sitzt?
Weil eine Trockensumpfschmierung IMMER eine Pumpe im Vorlauf und eine zweite im Rücklauf hat, die immer größer dimensioniert sein muss als die im Vorlauf, damit sichergestellt bleibt, dass der „Sumpf“ auch immer trocken bleibt. Die Pumpen sind bei Harley traditionell seit Knucklehead in einem gemeinsamen Gehäuse (1), (4) angeordnet, sodaß Du das nur in einer dreidimensionalen Schnitt- oder Explosionszeichnung erkennen kannst.
Da bei einem solchen System das Kurbelgehäuse wie bei einem Zweitakter (1) ohne unten drangehängte separate Ölwanne („Naßsumpf“) ausgeführt ist, würde die Kurbelwelle bei einem verbleibenden Ölstand im Gehäuse diesen ab einer gewissen Ölmenge schaumig (analog zu Schlagsahne) rühren, wodurch es nicht mehr schmieren würde und nicht mehr ab pumpfähig wäre, sich durch die Vorlaufpumpe komplett im Kurbelgehäuse ansammeln würde, bis der gesamte Inhalt des Öltanks schaumig gerührt wäre => Motorexitus

. Harleys Rücklaufpumpe saugt seit XL ab 1977 und seit TC bei den Big Twins das Öl komplett direkt am tiefsten Punkt ab (5). Vorher bei DEINEM EVO (6) wurde - wie bei Hochleistungssportwagen heute noch (3) - einer gewissen, genau berechneten Menge unterhalb der „Schaumschlägerei“ erlaubt, in der Ölwanne zu bleiben, durch die die Kurbelwellenhubzapfen
- ab der ersten Umdrehung nach dem Start durchgezogen und damit geschmiert werden
- das Öl hochgeschleudert wird (2), dadurch den Kolbenboden kühlt und das obere Pleuellager schmiert. Das letztere übernehmen seit den o.g. Motorgenerationen mit “Direktabsaugung“ (5) die Kolbenbodendüsen präziser und ohne Gefahr der „Schaumschlägerei“, die bei starker Volumenausdehnung des Öl durch hohe Motortemperaturen insbesondere bei luftgekühlten Motoren wie auch dem EVO früher durchaus vorkam
- das hochgeschleuderte Öl schließlich an einer Abstreiflippe (6) auf 270 Grad hinten am Kurbelgehäuse abstreiften, wodurch es in einer hinter der Abstreiflippe in das Kurbelgehäuse eingegossenen „Regenrinne“ (6) auf die rechte Seite des Motors durch das rotierende Breatherventil bei jedem Abwärtshub der Motorkolben in die Nockenwellenkammer geleitet wurde, auf deren Niveau direkt die Ansaugöffnung der Rücklaufpumpe saß. Die Motoren vor XL ab 1977 und TC bei den Big Twins hatten Zahnradölpumpen (4), was vorm Kriech übrigens noch Hightech war (Standard wie bei Indian und den Engländern war die archaische Tandem-Kolbenpumpe, die man bei RE noch bis 2006 bewundern konnte). Die Zähne von Zahnradpumpen können nicht mit so wenig Spiel zur Stirnseite des Pumpengehäuses abschließen, als das ein nennenswerter Ansaugunterdruck erzeugt werden könnte. Deswegen wird das Rücklauföl dieser Rücklaufpumpe mittels der Regenrinne auf Niveau des Pumpeneinlaufes zugeführt. Die Reduktion von Spiel und Toleranzen der Zahnradpumpen ab den 90ern erlaubten beim EVO in dieser Zeit, die Ölwanne unterhalb des Niveaus der Vorlaufpumpe anzuordnen, zudem wurde deren Funktion im Unterschied zur Rücklaufpumpe ja von einer Öldruckwarnleuchte überwacht.
Seit den TC bei den Big Twins führt eine separate Ansaugleitung der Rücklaufpumpe, als Bohrung in der Camplate und dann direkt in die rechte Kurbelgehäusehälfte eingegossen, an den tiefsten Punkt des Kurbelgehäuses (5), was es erlaubt, die beiden Pumpen vom Niveau der „Regenrinne“ abzusenken auf das Niveau des Pinionshafts, mithin des rechten Kurbelwellenhauptzapfens, sodass beide Ölpumpe in ihrem gemeinsamen Gehäuse
- bei gleicher Dimensionierung wie vorher doppelt so schnell drehen und damit den doppelten Volumenstrom und einen höheren Öldruck bei Drehzahlen unterhalb des Druckbegrenzungsventils erreichen (eine Schwäche der Vorgängermotoren, die zu Mangelschmierung bei niedrigen Drehzahlen und WOT führen konnte.)
- keine separate, von einer aufwendigen Spiralverzahnung angetriebene Pumpenwelle brauchen, die die Anordnung der Zahnradpumpen der Vorgängermotoren auf dem Niveau der „Regenrinne“ ermöglichte.
Die XL hatte also sage und schreibe 22 Jahre vor dem Big Twin moderne Eatonpumpen mit stark reduziertem Spiel und Toleranzen sowie einer erheblich höheren Förderleistung, die die Absaugung per Unterdruck vom tiefsten Punkt des Kurbelgehäuses ermöglichten. Das war wohl nötig, weil das höhere Drehzahlniveau und die Gußeisenköpfe ein generell höheres Öltemperaturniveau nach sich zogen, was die Gefahr der „Schaumschlägerei“ gegenüber den Big Twins deutlich erhöhte.
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„I don‘t like valves that look like golf tees. Intake valves should be the size of trash can lids, and pistons should be the size of manhole covers“ (Jay Leno)
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