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--- Fernsehpflicht: Easy Rider im Fokus zeitgeschichtlicher Auseinandersetzung (https://forum.milwaukee-vtwin.de/threadid.php?threadid=15173)
zum zitierten Beitrag Zitat von joeblue034
Hab gerade den Thread mit einem Lächeln gelesen...wer den Film nicht versteht, hat auch noch nie nen richtigen Bong im Hirn gehabt![]()
Aus der Neuzeit, ein nicht ganz ernst gemeinter, aber goiler Bikerfilm ist das hier:
Hell Ride
Man bedenke: Tarantino hat hier seine Finger im Spiel..
bin mal gespannt, wann für richtige Harleyfahrer ein Film gedreht wird
z.B. sowas wie "die wilden Kerle I " die mit dem fetten Hinterreifen.......
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NERVUS RERUM
zum zitierten Beitrag Zitat von jimmy
bin mal gespannt, wann für richtige Harleyfahrer ein Film gedreht wird![]()
Tja, kommen wir mal auf den Focus der zeitgeschichtlichen Auseinandersetzung.
Billy and Wyatt (war das eigentliche eine Anspielung auf Billy the Kid and Wyatt Earp?) waren keine Biker, wie wir sie heute gerne sehen, sondern sie waren Hippies. Als solche waren sie vor allem Individualisten, wogegen der heutige Biker eher ein Gruppenmensch ist, also das genaue Gegenteil. Dabei sind die diversen MCs, Stammtische und dergleichen nur ein Ausdruck hiervon.
Die Bikes damals waren Ausdruck dieser Individualität. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Billy und Wyatt mit irgendwelchen schlecht gemachten Logos, wie "Wild Hogs" oder "Del Fuegos", auf der Jacke herumgefahren wären. Soviel Struktur hatte die gar nicht. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend fuhren Billy and Wyatt einfach drauf los, allerding in umgekehrter Richtung, nicht von Osten nach Westen, wie die Altvorderen, sondern nach Osten. Wohin? Keine Ahnung. Das wußten sie wohl noch nicht einmal selbst. Vielleicht war diese Ziellosigkeit und damit die Sinnlosigkeit ihrer Reise ein Grund dafür, daß Wyatt am letzen Lagerfeuer sich und Billy als Versager beschreibt.
Die heutigen Biker dagegen sehen ihr Bike als einen Ausdruck ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe an. Da muß es dann oft schon eine Harley sein, anderes wird nicht akzeptiert. Die Bikes sind vornehmlich auf die Außenwirkung hin optimiert (Stichwort dicke Reifen oder lauter Auspuff), also somit extrem extrovertiert. Für einen Hippie wie Wyatt oder Billy wäre das ganz einfach uncool. Das Wort Poser war damals wohl noch nicht gebräuchlich.
Heute dämmert es uns natürlich, wie wenig souverän dieses laute schaut-mal-alle-her-was-für-ein-fettes-Bike-ich-habe Getue mit lautem Auspuff und schwarzem Lack ist. Wir verlagern gedanklich diese mangelnde Coolness gerne auf bestimmte Gruppen, z.B. auf die Zahnwälte.
Schön, daß "Wild Hogs" dieses Thema wieder aufnimmt, und zu dem Ergebniss kommt, daß eben nicht nur die Zahnwälte einem Image hinterherlaufen, das ihnen gar nicht entspricht, sondern auch die "Del Fuegos" im Grunde nur ein Haufen tätowierter Poser ist.
Bezeichnend find ich hier, daß Peter Fonda in seinem Gastauftritt eben KEIN Mitglied der "Del Fuegos" ist, obwohl er den Vater von Ray Liotta spielt, sondern ALLEINE fährt. Eben deshalb, weil sein Gastauftritt ein Zitat "Easy Riders" ist.
Somit hat selbst eine seichte Unterhaltung wie "Wild Hogs" noch eine interessante Note, was anderen "Bikerfilmen", in denen insolvente Schauspieler brennende Motorräder fahren, gänzlich abgeht. Die sind wirklich nur kommerzieller Shice, wie man hier so schön sagt.
Was den Zeitgeist Easy Riders angeht, so werden den heute wohl nur wenige verstehen. Die Suche nach Sinn und der hohe Stellenwert von Individualität sind heute keine Herzensangelegenheit mehr. Zwar hübschen wir unsere Bikes mit "Custom" Zubehör auf, um uns abzugrenzen, aber dennoch wohnen wir in spießigen Reihenhäusern, kaufen unsere Möbel bei Ikea und heften uns ein Namensschild an die Kutte, wenn wir zu einem Event fahren.
So. Und jetzt werde ich mal den Kollegen einen Kaffee kochen.....
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Horst
Nett geschrieben Horst....aber wer sagt Dir, dass die Suche nach Sinn und der hohe Stellenwert von Individualität heute keine Herzensangelegenheiten mehr sind?
Um das Beurteilen zu können müsstest Du jeden Einzelnen kennen und wissen wie er "tickt".
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Es ist nicht wichtig dass die Leute sehen, dass Du auf dem Berg stehst, sondern was Du vom Berg aus sehen kannst.
Nachdem ich den Film mal gesehen hatte, kam ich ebenfalls zu der Auffassung: Wat n Mist! Bin ja auch eher ein Jungspunt! Aber da es nun mal ein Kultfilm aus damaliger Zeit ist, hatte ich mal einwenig recherchiert und interessanterweise das hier entdeckt!
"... Im Gegensatz zur Auffassung des Publikums wollten Hopper und Fonda jedoch genau das Gegenteil beschreiben: Die Hippiekultur ist dem Ende nah und hat keine Ideale mehr, der amerikanische Traum von der Freiheit ist geplatzt. So schön und weit das Land auch ist, die Freiheit wird man in dieser amerikanischen Gesellschaft nicht mehr finden. Der Name "Easy Rider" ist das beste Beispiel für die oft falsch verstandene Intention des Films. Gemeint ist nicht der "leichte Ritt" durch die grandiosen Landschaften Amerikas auf der Suche nach einem neuen Lebensgefühl. Ein "Easy Rider" ist der Geliebte einer Hure, der für die Liebesdienste nicht bezahlen muss. Peter Fonda fasste den Sinn des Films in einem Interview einmal treffend zusammen: "In Amerika ist die Freiheit zur Hure geworden; und wir alle versuchen es mit dem "Easy Ride"."
HIER DER GANZE ARTIKEL
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LET'S MAKE CHOPPERS GREAT AGAIN!
Die Grundaussage des Artikels im Planet Wissen scheint zu stimmen. Dennis Hopper und Peter Fonda haben das genau so schon in diversen Interviews im Zeitraum 1969/1970 geschildert. Da war alles noch frisch und keine Legendenbildung erfolgt.
… Ein richtiges Drehbuch wird es nie geben. Der gesamte Film wird improvisiert. Man überlegt sich von Tag zu Tag, was als nächstes in den Kasten soll….
Dieses Zitat aus der o. a. (öffentlichrechtlichen ) Quelle stimmt nach meiner (privaten) Recherche nicht. Die Szenen sind nur zum Teil improvisiert worden z.B. die Lagerfeuerszene in der Ruine.
Es gibt sehr wohl ein Shooting Script mit 89 Seiten, das man sich ganz einfach beschaffen kann. Man muss halt nur mal nachforschen.
In diesem Skript sind auch sämtliche später entfallenen Szenen beschrieben. Die Dialoge speziell mit dem Auftritt von Jack Nicholson sind detailliert ausformuliert worden (zusammen mit dem Autor Terry Southern) und es gibt auch diverse Anweisungen wie Szenen gedreht werden sollen (z.B. Wyatt wirft seine Uhr weg). Von wegen „a bunch of stoned guys improvising at a campfire“…
Sehr empfehlenswert ist das Buch „Easy Rider“ von Lee Hill, BFI Modern Classic, 1996.
Gruß
Bernd
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It's Only Rock 'N' Roll - But I Like It
Member of Bavaria Stammtisch Munich
Philosophie hin Philosophi her, ohne Drakula würde es heute keinen "modernen" Horrorfilm geben genauso wenig wie Actionfilme ohne Dirty Harry !
Die Leute die Easy Rider in die Schublade "scheiss langweiliger Film" stecken, sagen ihren Enkeln nacher auch : Avatar(2009), das war ein Meilenstein des 3DKinos oder Star Wars(1977) & Jurassic Park(1997) hatten zu seiner Zeit die besten Specialeffects!
Darum geht es aber nicht Easy Rider schaut man nicht mit den Augen sondern mit dem Hirn.
Ich liebe den Sound von Jimmy Handrix und als er gestorben ist war ich gerade 4 Jahre alt, bin ich deshalb Mainstream oder was?
@Grenadier schau du mal weiter DSDS und beleidige andere nicht mit Sachen die du nicht verstehst
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Um die Leute zu unterhalten, würde ich sogar vom Sieben-Meter-Turm springen, am Wasser vorbei.
(Angus Young, AC/DC)
Harley Stammtisch Preussen
Jimmy Hendrix bitte soviel Zeit muss sein
*Klugshicemodus aus*
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Es ist nicht wichtig dass die Leute sehen, dass Du auf dem Berg stehst, sondern was Du vom Berg aus sehen kannst.
ups war wohl doch ein Gläschen zuviel gestern Abend
Purple Haze forever
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Um die Leute zu unterhalten, würde ich sogar vom Sieben-Meter-Turm springen, am Wasser vorbei.
(Angus Young, AC/DC)
Harley Stammtisch Preussen
Moin,
das Forum hier wird mir immer sympathischer, da landet man auf der Suche nach Mopeds mitten im Kino.
Die unterschiedlichen Sichtweisen auf diesen Film sind äußerst spannend.
Leute, macht euch bewußt, woraus ein Film besteht: aus Bildern, einer Handlung, Musik und einer Absicht der Filmemacher, diesen Film uns zu zeigen.
Bei vielen Filmen (gerade im aktuellen Kino) liegt die ‚Absicht‘ meist nur beim Geld, aber anspruchsvolles Kino vermittelt eine Botschaft, will etwas zeigen.
Warum ermöglicht der Drogenhandel die Tour?
Warum wird die Uhr demonstrativ weggeworfen?
Warum die Aussage ‚Amerika ist eine Hure‘
Warum werden die beiden erschossen?
Und was bedeutet der Titel?
Betrachte ich alles einzeln für sich, werde ich dem Film nicht gerecht. Wer Action-Kino gewohnt ist und nur auf die Handlung achtet, der muß den Film langweilig finden.
Wer sich aber die Mühe macht, den Film zu verstehen, dem gibt dieser Film viel, er wird zum Kult und wird immer wieder angeschaut.
Ein paar Tage freie Zeit, am Vorabend Easy Rider schauen, das Moped bereits vollgetankt, bepackt in der Garage, dann ins Bett und am anderen Morgen aufstehen, aufsitzen und los, ohne konkretes Ziel. Dann kommt bei mir - während ich im Sattel sitze - das gleiche Gefühl auf, wie ich es auch beim Betrachten des Films hatte. Oder umgekehrt?
Motorrad fahren ist doch nicht nur Benzin verbrauchen und die Strecke von A nach B zurücklegen! Das was es mehr ist, das ist für diejenigen, welche dem Film eine Chance gegeben haben, durchaus in Easy Rider zu erkennen.
Auch wenn diese ‚Freiheit‘ beim ‚Fahren‘ oft nur ein Gefühl ist, aber immerhin!
Und Easy Rider ist heute genauso aktuell wie damals (leider). Tun wir uns nicht bereits schwer, andere ‚Motorradfraktionen‘ zu respektieren? Ist ein Anwalt mit ‘ner Harley automatisch kein Biker?
In diesem Sinne.
Hmm....soviel Text...:-)
Ich bin damals nur wegen der Musik in den Film gegangen....auch wenns es keiner galubt....
war wirklich so...mit den Moppeds das kam erst später...:-)
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think before you drive