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Geschrieben von Karl H. am 09.08.2018 um 22:46:

Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Schon lange interessiert mich die genaue Funktion der Harley-Tankuhr. Die zuweilen recht geringe Lebensdauer dieses teuren Instrumentes lässt die Frage nach Reparaturmöglichkeiten aufkommen.

Ich bin dem lieben Andrè (Bodobiker) sehr dankbar, dass er mir (und damit dem Forum) seine alte, aber voll funktionsfähige Tankuhr als Forschungsobjekt im Dienste der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hat. Am 8.8., meinem Geburtstag, kam das Päckchen an. 😁

Hier sieht man die Uhr von vorne, hinten und von der Seite. Der seitliche Aufdruck lässt auf das Herstellungsjahr 2003 schließen.



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Wie sich nach einigem Drehen und Wenden heraustellen sollte, kann die Tankuhr nur durch Aufweiten der Bördelung der Chromfront zerlegt werden. Die Art der Bördelung lässt wenig Hoffnung, dass man das nach dem Zusammenbau wieder ordentlich und dicht hinbekommt:



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Hier ist der schwarze Kunststoffring (rechts im Bild) bereits aus der geweiteten Bördelung gehebelt.



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Von vorne sieht das Ganze nach Abnehmen der Front so aus:



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Nach Abnehmen der aufgesetzten, schwarzen Lünette so:



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Zum Ausbau des Werkes aus dem Gehäuse müssen die beiden hinteren Schrauben entfernt werden:



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Jetzt lässt sich das Werk herausziehen:



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Vor einer weiteren Demontage mache ich noch einen Funktionstest und interessiere mich dabei vor allem für die Zeigerdämpfung. Ich habe die Uhr an 12V angeschlossen und die gelbe Tankgeberleitung auf Masse gelegt (Tank voll!). Der Zeiger bewegt sich nur langsam. Zwischen den beiden folgenden Bildern liegen 5 Sekunden:





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Rückwärts geht es genau so langsam!

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Die weitere Zerlegung der Tankuhr sollte selbsterklärend sein:



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Im nächsten Bild sieht man, dass das Innere der Uhr schon Wasser gesehen hat:



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Die Schrauben kontaktieren mit ihren Stiftspitzen das Zeigerinstrument:



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Zwei LEDs 1 und 2 mit Vorwiderstand R1 beleuchten das Instrument. Die Diode D1 ist ein Verpolungsschutz. Der Stift unten bildet die Masseverbindung zum (hier bereits abgezogenen) Zeigerinstrument:



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Hier das Zeigerinstrument nach Entfernen der Skala:



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Hier angekommen, stellt man fest, dass sowohl die Rückhohlfeder des Zeigerwerks als auch dessen defektanfällige Dämpfung im Inneren des Wicklungskörpers (rechts)unzugänglich und praktisch unreparierbar versteckt sind.



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Als weiteres Zwischenergebnis kann man nach einigem Messen das Schaltbild dieser Tankanzeige vervollständigen. Unter Vernachlässigung der beiden Beleuchtungs-LEDs und unter Einbeziehung des Tankgebers sieht das so aus:



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Mit diesem Schaltbild lässt sich auch eine kleine Ersatzschaltung stricken, falls man z. B. ein Custombike ohne Tankanzeige machen will und die Funktion der elektronischen Reichweitenanzeige erhalten will. Das einfache Weglassen der Tankuhr funktioniert nicht.

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Ich will noch rausfinden, wie das Innere des Spulenkörpers mit Rückhohlfeder und Dämpfung aussieht.

Deshalb: Fortsetzung folgt...

Gruß
Karl

Ich glaube nicht, dass ich mich irren kann. Denn als ich glaubte mich zu irren, hatte ich mich geirrt

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Gruß
Karl


Geschrieben von T-Spochtler am 10.08.2018 um 11:16:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Wieder mal klasse, Karl... danke für den ausführlichen und informativen Bericht! 👏👏👏

Immer interessant, wie Teile, um die man sich normalerweise nie kümmert, von innen aussehen. Zwar hat meine Dyna FXDXT eine etwas anders aussehende Tankuhr (die sitzt ja auch vor dem Tankdeckel im Dashboard), aber inwendig dürfte sie ja etwa gleich aufgebaut sein.

Freue mich auf die Fortsetzung!

Grüße aus Baunatal

Jörg

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Gruß aus Baunatal

Jörg Augenzwinkern


Geschrieben von FlatSix am 10.08.2018 um 11:50:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Super Arbeit Karl, danke für die aufschlußreichen Bilder. Nachträglich alles Gute mit viel Gesundheit fürs neue Lebensjahr!!!

Gruß, Armin.

Es riecht nicht alles gut was kracht! (KV).

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Es riecht nicht alles gut was kracht!


Geschrieben von Cool Man am 10.08.2018 um 13:00:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Genial 👏👏👏👏👏

Wie immer.

Gruß CoolMan.    🆒


Geschrieben von Badkus88 am 10.08.2018 um 17:15:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Wow - geilomat anschaulich


Geschrieben von stonedjc am 10.08.2018 um 17:50:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Danke füre die aufschlussreichen Infos !!!!!!!!!!!!!!!!!


Geschrieben von Q-Flat am 11.08.2018 um 10:57:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Was wir vorher nur erahnt haben, ist jetzt bewiesen. Der Karl schreckt wirklich vor NICHTS zurück, wenn es darum geht, die unendlichen Weiten unseres Harley-Universums mikroskopisch zu erforschen. Selbst funktionierende Originalteile zerlegt er, bis die Atomstrukturen sichtbar werden. Aber natürlich: Wissenschaft kennt keine Moral.


Geschrieben von e-glide cascais am 11.08.2018 um 15:50:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Hier wird sehr schön gezeigt, warum wir in technischen Fragen weltweit mit an der Spitze liegen - Neugierde!
Wir geben uns mit Gegebenem nicht zufrieden und suchen nach besseren, effektiveren und vor allem guten Lösungen!!!

Gruß Reinhard

PS: gilt nicht für Berlin und den Flughafen!


Geschrieben von nighttrainknox am 11.08.2018 um 16:43:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Reinhard:

😠😠🥷🥷

Gruß

Steffen


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Gruß

Steffen


Geschrieben von mr-Krissi am 11.08.2018 um 18:02:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Deswegen liebe ich dieses Forum so.....👍👏👏👍

Gruss Matthias 


Geschrieben von Karl H. am 13.08.2018 um 11:44:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

Und weiter geht‘s! 😁

Jetzt muss das "Herz" der Tankuhr seine Geheimnisse preisgeben.

- wie funktioniert die Zeigerdämpfung?

- wie wird der Zeiger in die Nullstellung zurückgeholt?

- wie sieht der "Anker" des Zeigerwerks aus?

 .

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Die Spulen des Zeigerwerks haben Kupferlackdraht mit 0,08mm Nenndurchmesser. Bei 3,5 Ohm pro Meter heißt das, dass jede Spule 100m Drahtlänge hat. Bitte verzeiht mir, dass ich diese Drahtmenge nicht Windung für Windung abgewickelt, sondern den Seitenschneider benutzt habe.

Das Ergebnis sieht so aus:



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Wie das Gehäuse geteilt und zu öffnen ist, erschließt sich sofort. Meine Annahme, dass da dämpfendes Silikonöl durch eine Dichtung am rauslaufen gehindert werden muss, erweist sich als Irrtum (Der Zeiger war vor dem Trennen natürlich abgezogen):



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Der Zeiger wird durch einen kreisrunden Anker bewegt. Das geht nur, wenn er magnetisch ist. Ist er tatsächlich! Die Dämpfung erfolgt durch Silikonfett im Spalt zwischen Ankerunterseite und Gehäuse:



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Aber wo bitte ist die Rückholfeder? 🫤

Das Geheimnis ist ein kleiner Rückholmagnet im Gehäuse!

Er ist von außen eingesetzt:



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und auch von innen zu sehen:



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ganz schön winzig:



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Und wo ist der Zeigeranschlag?

Der wird durch die Skala realisiert:



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Ganz schön clever die Japaner (ist ja "made in Japan"). 👏

Abschließende Frage: Was kann da eigentlich kaputt gehen? Aus meiner Sicht ist das Silikonfett der Schwachpunkt im System. Wenn das verhärtet oder bei horizontaler Achsenlage (Tourer) durch Schwerkraft wegläuft, ist Feierabend. Schade, dass man da nicht zum Reparieren dran kommt.

Hoffnungsschimmer: Das Zeigerwerk ist sicher nicht speziell für Harley gemacht und wird wohl in Massen hergestellt. In welcher billigen Tankuhr ist es sonst noch verbaut? Applaus für den, der das rausfindet! 😁

Gruß
Karl

Ich glaube nicht, dass ich mich irren kann. Denn als ich glaubte mich zu irren, hatte ich mich geirrt

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Karl


Geschrieben von T-Spochtler am 13.08.2018 um 13:36:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

👏👏👏 Wow, sauber zerlegt! 👏👏👏

Das nenne ich mal Anschauungsunterricht vom Feinsten... wieder was gelernt.

Danke dafür, Karl - und nicht zuletzt natürlich auch mal wieder für die Mühe, die Du Dir für uns gemacht hast... alle Achtung!

Grüße aus Baunatal

Jörg

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Gruß aus Baunatal

Jörg Augenzwinkern


Geschrieben von FlatSix am 13.08.2018 um 14:03:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr

👏👏👏Unglaublich , Karl Du bist unschlagbar, vielen Dank für Deinen Spürsinn und die damit verbundene Mühe!!!👏👏👏

Gruß, Armin.

Es riecht nicht alles gut was kracht! (KV).

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Es riecht nicht alles gut was kracht!


Geschrieben von E-Glider am 13.08.2018 um 14:39:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr


T-Spochtler:

Danke dafür, Karl - und nicht zuletzt natürlich auch mal wieder für die Mühe, die Du Dir für uns gemacht hast...
Ich glaube nicht, dass es ihm Mühe gemacht hat.

So wie ich ihn einschätze, hatte er sicher ziemlich viel Spaß daran!

🥰

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Gruß
Wolfgang


Obiges Statement ist allein meine Meinung und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit!
Von hämischen Bemerkungen, die mein Alter, meinen Geisteszustand oder meinen Geschmack betreffen, bitte ich daher abzusehen!

2014er Ultra Limited
2001er Softail Standard


Geschrieben von Karl H. am 13.08.2018 um 21:18:

RE: Die Geheimnisse der Harley-Tankuhr


E-Glider:
...So wie ich ihn einschätze, hatte er sicher ziemlich viel Spaß daran!...

Ja, hatte ich! Aber viel mehr Spaß habe ich, wenn auch andere Spaß daran haben!

Danke für die positiven Rückmeldungen! 😁

Gruß
Karl

Ich glaube nicht, dass ich mich irren kann. Denn als ich glaubte mich zu irren, hatte ich mich geirrt

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Karl